Zizkablog’s Weblog


Wettbewerb unter den Rädern teil1
Juni 29, 2009, 6:51
Gespeichert unter: Designplaudertasche | Schlagworte: , , ,

Perfektionistische Stadtarchitekturen, die sich in die Höhe recken und
adrenalingeladene Mitdreissiger, die dynamisch ihre Leasingverträge auf vier
Rädern bewegen, verlangen nach Sicherheit im Strassenverkehr. Ich selbst werfe
mich jeden Tag ins Getümmel – mit 10 Kilo Hitec unter dem Allerwertesten und mit
Helm, Brustpanzer und Brille bewaffnet. Wenn ich die Rüstung beim Betreten
meines Dienstleistungstempels abwerfe, fällt der Blick sofort auf eine meiner
kleinen Schwächen – 25 „Ultimate Stands“ mit mehr oder weniger sammelwerten
Memorabilien der Fahrradentwicklung. Mit dem Bycicletta ist es so eine Sache:
auf der einen Seite ökologisch-technoides Vorzeigetool, auf der anderen ein
Synonym für den selbstverzehrenden Willen immer der Erste zu sein. Uns allen ist
in den letzten Jahren nicht verborgen geblieben, dass gerade im Kontext dieses
Fortbewegungsinstrumentes der Wettbewerb um Leistungswachstum Formen angenommen
hat, die an Absurdität nicht zu überbieten sind. Blutwechsel, Urinwechsel,
Spritzen bis zum Selbstmord.



Konglomeratbeutel statt Hasenpfote
Juni 30, 2008, 1:06
Gespeichert unter: Uncategorized

Mein Kartenmessie-Syndrom mit idealen Kredit-Kunststoff-Spachteln zur Nivellierung sozialer Unzulänglichkeiten in bunter Vielfalt, gruppiert zu einem fettleibigen Konglomeratbeutel in der Hosentasche. Ein alltäglicher PZ Ballast, der als Omnipotenzrolle gewickelt, hin und wieder phallische Männerphantasien generiert und finanziert. Andererseits ein Tagebuch der Ausgaben und Einnahmen beim Konsummarathon durch ein buntes Schaufenster-Verdun. Habe ich den Frieden mit mir gemacht und das im Handstreich genommene Waren-Douaumont in der Plastiktüte, bleibt immer noch Zeit für den entschleunigten Blick ins private Glück.



Big Fat SUV Funeral
Juni 6, 2008, 9:38
Gespeichert unter: Designplaudertasche | Schlagworte: , ,

Schön zu hören das die Epoche vorbei ist, in der sich beschwingte, mit ChanelGucci-Orden behängte Damen mit großformatigen Kästen durch die Strasse wälzten um mit dem Gefühl absoluter Sicherheit gesegnet die Kinder bis vor das Schultor fahren zu können. Die pompösen Schluckspechte, mit teils abenteuerlichen Cow- und Kleinkinderfänger- Designexzessen versehen und in der gesellschaftlichen Reputation an der Spitze der Einer-Kam-Durch-Eisberges fahrend, sterben den Infarkt des Öl-Förderpeaks. Trotzdem; rein in die Museen mit dem Hummer H3s, Cayennes, Escalades und Range Rovers als Beispiel eines Prosperitätsglaubens an die mannigfaltigen Vergrösserungsoptionen des Egos. Die herumlaufenden Körper-offroad Holperpisten aus Sixpacks, Doppeldoppeldoppel-D-Implantaten, Fahrradschlauch-Lächeln und Hormon-Brustschildern sind die einzigen echten Anforderungen an die Four Wheel drive und Federwegskultur. Irgendwann ist eben die Luft draussen.



Transparenz bis zur Selbstaufgabe
Juni 3, 2008, 4:22
Gespeichert unter: Designplaudertasche | Schlagworte: , ,

„Hasta la vista, Baby!“ Ein Gruß, der sich aufdrängt angesichts eines neuen intelbasierten Computainments, das mit Effekten um sich wirft, aber auch Spyware attraktiv verpackt – eine Art Pamela-Anderson-Daten-Blockwart mit National-Security-Agency-Sticker unter dem OpenGL-Revers. Trotz aller Faszination an der neuen Aero-Welt sei es erlaubt zu fragen, ob man es bei Vista mit einer Benutzer-Oberfläche oder einer Ich-bin-Benutzter-Oberfläche zu tun hat. Die nun auch im „Glass Modus“ verwendbaren Transparenzen sind schön anzusehen, haben vielleicht auch funktionale Vorteile, doch könnte man sie auch als visuelle Vorboten des Datenstriptease in der Netzstrumpfhose www empfinden. Dabei ist das schönste Bit-Zuhause doch nach wie vor nicht in Redmond, dem Firmensitz von Micro-soft, sondern im individualisierten Desktop. Das, was die tollen Dekorsätze und Spoiler vom Baumarkt beim Auto nur rudimentär erlauben, funktioniert bei Vista perfekt. Das Prinzip des „Pimp my Desktop“ ist, verbunden mit der Dreidimensionalisierung der Be-nutzeroberfläche, die ultimative Hilfe, um vor den formalen Grausamkeiten der Rechner und Monitorgehäuse in eine private 72dpi-Scheinwelt zu fliehen. Die Vitrine mit den wichtigen Staubfängern zu Hause kann man sich eben auch getrost virtuell einrichten, und die Fototapete für das Wohnzimmer ist auch kein Problem mehr. Aufklappende Ordner, in denen schon Inhalte als Thumbnails zu sehen sind, und das Durchschimmern der selbstgewählten Impressionen aus Natur und Familie, geben einem fast immer das wohlige Gefühl, nicht außerhalb der realen Welt zu stehen. Vista ist das gelungene Beispiel einer neuen Oberflächlichkeit, bei der der visuelle Unterhaltungsaspekt im Vordergrund steht. Da ist es müßig, eine Diskussion darum zu führen, ob hier eine Apple-Imitation vorliegt oder nicht. Es geht bei beiden Betriebssystemen um die Affirmation eines neuen virtuellen Lebensmittelpunkts im Rechner. Sicherlich kommt das vielen Usern entgegen, doch ist es beim genaueren Hinsehen eben auch sehr gefällig; irgendwie ein breiter, opportunistisch illustrierter Kompromiss, der sich dem Verdacht aussetzen muss, keine innovativen Thesen zu formulieren oder gar zu initiieren – nein, sogar umgekehrt: Vistas visueller Zuckerguss versüßt den Fatalismus-Spezialisten in den Dienstleistungsetagen mit „Parachute Drop Ability“ die allgegenwärtige gesellschaftliche Kontrolle.



Opportunismus im Pitchuniversum
Mai 15, 2008, 12:58
Gespeichert unter: Designplaudertasche | Schlagworte: , ,

Die Wertschätzung von Design ist in finanziellen Regionen angekommen, in denen ein Rohrreinigungsservice oder ein Schlüsseldienst dankend ablehnen würden. Vielleicht sollten wir umschulen und Vogelstimmenimmitatoren werden, das liegt im Return-on-invest-Ranking der freien Berufe bestimmt ein paar Plätze über uns Designern. Die Großmeister unserer Zunft müssen sich fühlen wie ein vom Design-Dumping-Phantom-Punch getroffener Gafik-Liston.
Wir jedenfalls haben uns diesen Stealth-Modus im Wertesystem des Dienstleistungsgewerbes selbst zuzuschreiben. Als kompetitiv geprägte Gleitcremedosen sind wir immer noch versucht, beim potentiellen Kunden möglichst widerstandslos durchzurutschen – koste es so wenig wie es wolle. Selbst die fulminant besetzte „Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED Diktatur“ glaubte unlängst daran, dass ein unbezahlter Gesamtauftritt-Pitch von 15 Agenturen, die auf Basis unserer szeneeigenen, selbstreferentiellen Rankings abgezählt angeschrieben wurden, das normale Verfahren zur Selbstfindung sei. Alarmstufe Rot also – wenn wir nicht als Fossilien aus dem Kreativ-Mesozoikum enden und den Finanznagern zum Opfer fallen wollen, die wir mit Spardopamin-Kraftfutter wie „Geiz ist geil“ selbst gemästet haben, ist eine kollektive Verweigerung angebracht und ein Ranking der unsolidarischsten Discounter unter den Auftraggebern und Auftragnehmern im Gestaltungsbereich von nöten. Der DDC- oder gar ADC-Epaulettenentzug ist bei der Entdeckung von Penetrationspreisen selbstredent. Vielleicht gibt es ja bald ein ganz neues, hochbezahltes Berufsbild: den Gestaltungs-Opportunismus-Exorzisten.



Neues Galorelayout: Erneuerungswut mit Konsensgarantie
Mai 5, 2008, 4:18
Gespeichert unter: Designplaudertasche | Schlagworte: ,

Nun ist es also zum X-ten mal passiert – Galore im tiefen Tal der visuellen Mee-too-Welten.

 

Einen neuen Kuschel-Claim gibt´s gratis dazu. Man fühlt sich nicht in der Galore, sondern in einer opportunismusgeschwängerten Galeere mit appellativen Trommeln aus dem Hades der Lifestyle-Magazine. Über die „kapitalen Initialen“ will ich mich nicht auch noch auslassen, aber zeigen sie doch, dass die ehemalige Zurückhaltung zugunsten inhaltlicher Stärke Ihnen leider nicht mehr zu genügen scheint. Jetzt wird man unterhalten mit allerlei grafischem Zierrat, aber dort, wo Formalismus das Geschehen definiert, ist die Fernbedienung nicht weit, und schnell sind wir zu lesenden Jump-And-Run-Super-Marios degradiert, deren Konzentrationsfähigkeit so lange reicht wie der Weltrekord im Fingerschnippen. Was nun?



Wenn ich so durch Frankfurt fahre…
April 30, 2008, 8:47
Gespeichert unter: Designplaudertasche | Schlagworte: ,

Das Schönste am glatten, perfektionistischen Außen sind die Stecker,
Buchsen und Flure, die uns verbinden. Der ungleiche Kampf zwischen
Perfektion und Unzulänglichkeit ist das Lebenselexir der Dienstleistungskultur.
Die Fassnachtskappe auf dem handygegrillten Hirn wandern wir mit stolz geschwellter
Brust als Milben- und Bakterienbiotop durch Gänge in unzähligen holoedrischen
Glasstein- Baukästen mit Total-Durchsicht. Norman Foster liegt falsch, wir
brauchen keine peinlichen Hochhaus-Bonsai-Gärten, sondern sollten uns an den
Natur-Macro-Dioramen jeder vorbeiziehenden Person vergnügen und auch der eigenen
unzulänglichen Intimität Raum zurückerobern. Wenn das Unaufgeräumte in kurzen
Sharon Stone-Momenten zur Schau gestellt wird, fängt der Spaß erst an. Sonst gibt
es zuviel formale Askese – an allen Gegenständen gleitet der Blick ab, rutscht
aus wie auf einem Stück Palmoliveseife und verliert sich im Öffentlichen.
Da sind barrierrefreie Haltegriffe fürs Individuelle gefragt.

Vorsicht, der Frankfurter Griff zum Äpplewoi bietet keinen Lösungsansatz!

 



Wien- ganz glamorous
April 28, 2008, 11:16
Gespeichert unter: Designplaudertasche

 

Mit Wien ist es wie mit einer grauen, gebrauchten Falke-Socke. Einerseits spiegelt die Patina dieser Stadt die Last eines langen Weges, die an allen Stosskanten und Ritzen aus dem städtischen Allerlei wie aus einem Fleischwolf quillt, andererseits ist da ein Ausdampfen einer Fake-Post-Post-Klassizismus-Tradition, eine fatalistische Kapitulation von umfassender Grösse. Der Wiener Futurismus besteht aus dem Bostichen von Sargnägelnl. Was soll’s, denn anschließend kann man Reputationsfeierlichkeiten am Zentralfriedhof genießen. Die Magnum-Ausstellung, wegen der ich hier bin, tut ein übriges. Die fristete ihr Dasein vergessen und ergraut in einem Sarkopharg und wurde jetzt bei Westlicht ausgestellt -sehenswert.

Den Spiekermannschen Rosarausch im sonnigen San Franzisco möchte ich hier eine Rosa-Wienversion entgegenstellen.

 

 



Designreaktor in Berlin – auf dem Podium
April 24, 2008, 10:40
Gespeichert unter: Designplaudertasche

Das Gebäude ist alt gross und manifest wie Wassili Alexejews 600kg Superhantel und auch im Innern eröffnet sich hinter der gepanzerten Pförtnerloge die typische schwergewichtige Fusions-Atmosphäre aus Linoleum-/Menschen-/Farbgeruch die eine Universität der Künste ausmacht. Ich reagiere sofort mit dem Pawlowschen-Respekt und das Selbstvertrauen hängt auf Augenhöhe mit der Hose des vor mir laufenden Skater-Style-Studierenden. Zur kontaktaufnahme kriecht der geriatrische Zeitlupen-Aufzug zu Heines Büro empor das nach dem Sesam-öffne-dich den Odem einer kompetenten, selbstgewählten Askese ausströmt. Ich weiss plötzlich wieder was ich als Thema für den Workshop gewählt habe – Abschottungsprothetik leicht gemacht. Die Didaktik-Mitstreiter in der Workshoparena treten auf – die Gladiatoren der Lehre, mit und ohne Titel. Nach kurzer Eingewöhnungszeit unter der Rotunde aus KMU Produktimpressionen geht es in den Ring. Erste Runde – eine Podiumsdiskussion mit Dr. Nicole Busch, die ausgesprochen telegen agiert und aus dem Trendbüro entsprungen ist, Franziska Schreiber eine Modeprinzessin – leider ohne Absätze, Ronen Kardushin ein Meister des intendierten Ausgleichs, Andreas Mühlenberend ein Kenner der formalen Askese und ff-Kernschmelzer vieler Zigaretten, Joachim Schirrmacher Ladenbummelspezialist aus der Gesellschafts und Wirtschaftskommunikation und meine Wenigkeit Industriehofabkömmling und Meister des verlorenen Fingernagels. Wir alle diskutieren zum Thema Accessior. 

Aktives Kuscheln auf dem Podium als Steifteddy ist, wie ich finde, für die Studenten wie Chloralhydrat aus der Flasche und deshalb wird gleich mal eine kleine kommunikative Coulombkraft durch eine freche Zizka-Behauptung gezündet die jedem Intellektuellen wahrscheinlich die Schamesröte ins Gesicht treibt – nämlich das das Accessior eines der letzten verbliebenen Tools der Aufklärung sei, etwa wie der doppelte Ralleystreifen auf dem BMW 2002. Diese Vermessenheit erzeugt deutlich sichtbare Schmerzen auf den Gesichtern selbst bei Frau Dr. Busch mit lastwagengrossen Glitzer-Konglomerat-Ring am Finger oder bei Mühlenberend dessen Mimik wirkt als würde ich den Cilice fester anziehen. Es kommt schließlich ein wenig Schwung in die Sprechblasen-Mengenlehre und auch die danach entstehende Diskussion über die Relevanz von Accessior-Marken für die Positionierung des Individuums oder die Frage ob ein Accessior auch eine private Komponente hat, stossen wie ein kleiner Maxwellscher Dämon ungeahnte Türen zwischen Langsam- und Schnelldenkern auf. Sogar die Studentenschaft erregt sich vereinzelt und zeigt Kommunikationskinetik. Vor der Kernschmelze bremst der Moderator Schirrmacher ohne Graphit und schweres Wasser die Kernspaltung und wir treten geschlossen ab, auch nachträgliche Schulterschlussfusionen sind noch ohne Probleme möglich und ich fühle erste aufkeimende Hoffnung für den folgenden Tag. FNP-Axel der geschätze professorale Steuerstab des Reaktors ist glaube ich auch zufrieden mit dem Ausgang.