Die Wertschätzung von Design ist in finanziellen Regionen angekommen, in denen ein Rohrreinigungsservice oder ein Schlüsseldienst dankend ablehnen würden. Vielleicht sollten wir umschulen und Vogelstimmenimmitatoren werden, das liegt im Return-on-invest-Ranking der freien Berufe bestimmt ein paar Plätze über uns Designern. Die Großmeister unserer Zunft müssen sich fühlen wie ein vom Design-Dumping-Phantom-Punch getroffener Gafik-Liston.
Wir jedenfalls haben uns diesen Stealth-Modus im Wertesystem des Dienstleistungsgewerbes selbst zuzuschreiben. Als kompetitiv geprägte Gleitcremedosen sind wir immer noch versucht, beim potentiellen Kunden möglichst widerstandslos durchzurutschen – koste es so wenig wie es wolle. Selbst die fulminant besetzte „Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED Diktatur“ glaubte unlängst daran, dass ein unbezahlter Gesamtauftritt-Pitch von 15 Agenturen, die auf Basis unserer szeneeigenen, selbstreferentiellen Rankings abgezählt angeschrieben wurden, das normale Verfahren zur Selbstfindung sei. Alarmstufe Rot also – wenn wir nicht als Fossilien aus dem Kreativ-Mesozoikum enden und den Finanznagern zum Opfer fallen wollen, die wir mit Spardopamin-Kraftfutter wie „Geiz ist geil“ selbst gemästet haben, ist eine kollektive Verweigerung angebracht und ein Ranking der unsolidarischsten Discounter unter den Auftraggebern und Auftragnehmern im Gestaltungsbereich von nöten. Der DDC- oder gar ADC-Epaulettenentzug ist bei der Entdeckung von Penetrationspreisen selbstredent. Vielleicht gibt es ja bald ein ganz neues, hochbezahltes Berufsbild: den Gestaltungs-Opportunismus-Exorzisten.
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