„Hasta la vista, Baby!“ Ein Gruß, der sich aufdrängt angesichts eines neuen intelbasierten Computainments, das mit Effekten um sich wirft, aber auch Spyware attraktiv verpackt – eine Art Pamela-Anderson-Daten-Blockwart mit National-Security-Agency-Sticker unter dem OpenGL-Revers. Trotz aller Faszination an der neuen Aero-Welt sei es erlaubt zu fragen, ob man es bei Vista mit einer Benutzer-Oberfläche oder einer Ich-bin-Benutzter-Oberfläche zu tun hat. Die nun auch im „Glass Modus“ verwendbaren Transparenzen sind schön anzusehen, haben vielleicht auch funktionale Vorteile, doch könnte man sie auch als visuelle Vorboten des Datenstriptease in der Netzstrumpfhose www empfinden. Dabei ist das schönste Bit-Zuhause doch nach wie vor nicht in Redmond, dem Firmensitz von Micro-soft, sondern im individualisierten Desktop. Das, was die tollen Dekorsätze und Spoiler vom Baumarkt beim Auto nur rudimentär erlauben, funktioniert bei Vista perfekt. Das Prinzip des „Pimp my Desktop“ ist, verbunden mit der Dreidimensionalisierung der Be-nutzeroberfläche, die ultimative Hilfe, um vor den formalen Grausamkeiten der Rechner und Monitorgehäuse in eine private 72dpi-Scheinwelt zu fliehen. Die Vitrine mit den wichtigen Staubfängern zu Hause kann man sich eben auch getrost virtuell einrichten, und die Fototapete für das Wohnzimmer ist auch kein Problem mehr. Aufklappende Ordner, in denen schon Inhalte als Thumbnails zu sehen sind, und das Durchschimmern der selbstgewählten Impressionen aus Natur und Familie, geben einem fast immer das wohlige Gefühl, nicht außerhalb der realen Welt zu stehen. Vista ist das gelungene Beispiel einer neuen Oberflächlichkeit, bei der der visuelle Unterhaltungsaspekt im Vordergrund steht. Da ist es müßig, eine Diskussion darum zu führen, ob hier eine Apple-Imitation vorliegt oder nicht. Es geht bei beiden Betriebssystemen um die Affirmation eines neuen virtuellen Lebensmittelpunkts im Rechner. Sicherlich kommt das vielen Usern entgegen, doch ist es beim genaueren Hinsehen eben auch sehr gefällig; irgendwie ein breiter, opportunistisch illustrierter Kompromiss, der sich dem Verdacht aussetzen muss, keine innovativen Thesen zu formulieren oder gar zu initiieren – nein, sogar umgekehrt: Vistas visueller Zuckerguss versüßt den Fatalismus-Spezialisten in den Dienstleistungsetagen mit „Parachute Drop Ability“ die allgegenwärtige gesellschaftliche Kontrolle.
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